Vincent van Gogh im Überblick

Vincent van Gogh (1853–1890) ist einer der berühmtesten nieder-ländischen Künstler allerZeiten. Nur zehn Jahre war er als Maler aktiv, von 1880 bis zu seinem Tod im Jahre 1890.

Dank seines Schaffensdrangs und seiner Begeisterung schuf er in diesen zehn Jahren ein Oe uvre, das so manchen Künstler, der ein hohes Lebensalter erreichte, in den Schatten stellt: Mehr als 840 Gemälde und über 1.000 Zeichnungen sind erhalten geblieben und darüber hinaus noch zahlreiche Aquarelle, Lithographien und Briefskizzen.


brief met tekening

Außerdem schrieb Van Gogh an seinen Bruder Theo und andere Familienmitglieder und Freunde Hunderte von Briefen. Für Van Gogh waren sie ein Mittel, mit Anderen zu kommunizieren und seine Gefühle zu äußern; zugleich sind sie eine wichtige Quelle für die kunstgeschichtliche Forschung. Vieles, was nunmehr über Van Goghs Leben bekannt ist, über seinen Hintergrund, über das, was er las, sah und dachte, stammt aus diesen Briefen, seiner “Autobiographie”.


Portret van Jozef Blok

Der Maler war in erster Linie Autodidakt. Mit Lehrbüchern, einer Reihe von Unterrichtsstunden an den Akademien von Brüssel und Antwerpen, Museumsbesuchen und  Ratschlägen befreundeter Künstler brachte er sich selbst auf traditionelle Weise das Fach bei. Die modernen Strömungen in der französischen Malerei regten ihn zu Experimenten an. Im Laufe der Jahre entwickelte er mit der einzig- artigen expressiven Pinselführung und mit leuchtenden, satten Farben einen sehr eigenen Stil, der viele Künstler späterer Generationen inspiriert und beeinflusst hat.

Nach Van Goghs Tod haben seine Bilder, aber auch sein tragisches Leben, das von unglücklichen Liebesaffairen, angeblich fehlender Anerkennung, finanziellen Schwierigkeiten und Krankheit geprägt war und das mit Selbstmord endete, eine große und anhaltende Faszination bewirkt.

Het uitgaan van de Hervormde Kerk te Nuenen

Niederlande

In 1880 beschloss Vincent van Gogh, Künstler zu werden. Damals war er 27 Jahre alt und hatte bereits verschiedene Berufe ausgeübt, im Kunsthandel, als Lehrer und Hilfs-pastor, alles jedoch ohne Erfolg. Als beginnender Künstler übte er sich in Landschafts- und Stadtansichten und insbesondere im Zeichnen nach dem lebenden Modell. Er wohnte zunächst in Brüssel, dann in Etten bei den Eltern und ab Ende 1881 in Den Haag. Dort unterrichtete ihn der bekannte Maler Anton Mauve, ein angeheirateter Vetter. Sein Verhältnis zu Sien Hoornik, einer schwan-geren, unverheirateten Frau mit einer Tochter, führte zu Konflikten mit seinen Eltern.

Garenspoelende vrouw

Im September 1883 beendete Van Gogh diese Beziehung und zog in die Provinz Drenthe, um dort Landschaften und Bauern zu malen. In dem dünnbesiedelten Landstrich im Nordosten der Niederlande hielt Van Gogh es ganze drei Monate aus. Einsamkeit und Mangel an Material und Modellen trieben ihn zurück zu den Eltern, die inzwischen im südlicher gelegenen Brabant im Dorf Nuenen wohnten.

In Nuenen befasste sich Van Gogh mit der Darstellung von Webern und Bauern. Wie sein großes Vorbild Jean–François Millet (1814–1875) wollte er das Leben der einfachen, hart arbeitenden Menschen wiedergeben. Auch hielt er die Landschaft in dunklen, freudlosen Farben fest.

De aardappeleters

Im Winter 1884–85 fertigte Van Gogh mehr als 40 Studien von Bauern und Bäuerinnen an und bemühte sich dabei, ihre charakteristischen Züge herauszuarbeiten. Diese Serie war der Auftakt zu seinem ersten großen Figurenstück: Die Kartoffelesser (April 1885). Der Künstler wollte die Wirklichkeit nicht idealisieren, sondern ein realistisches “Bauerngemälde” anfertigen. Um sein Können unter Beweis zu stellen, wählte er eine schwierige Komposition. Er erhoffte sich mit diesem Bild den künstlerischen Durchbruch, erntete aber vorwiegend Kritik.

 

staand vrouwelijk naakt detail
Um seine Fähigkeiten im Figurmalen zu vertiefen, ging Van Gogh Ende 1885 nach Antwerpen und studierte dort einige Monate an der Akademie. Die Briefe Theos, der bereits seit mehreren Jahren als Kunsthändler in Paris arbeitete, machten ihn jedoch immer neugieriger auf die jüngsten Entwicklungen in der Malerei. Im Frühjahr 1886 reiste er weiter in die französische Hauptstadt und zog zu seinem Bruder ins Künstlerviertel Montmartre.
De courtisane (naar Eisen)

Paris

Die Kunst aus Van Goghs Pariser Zeit ist von Studien, Erneuerung und Experimenten geprägt. Im Atelier des Malers Fernand Cormon arbeitete er monatelang an Studien nach Gipsplastiken und Zeichnungen nach dem lebenden Modell. Dort machte er auch die Bekanntschaft gleichgesinnter junger Künstler wie Paul Signac und Henri de Toulouse–Lautrec.

Da Van Gogh kein Geld für Modelle erübrigen konnte, benutzte er für Experimente mit Farben und Maltechnik das eigene Gesicht.Aus den zwei Jahren, die er in Paris verbrachte, stammen über 27 Selbst-bildnisse. Unter dem Einfluß der neo-impressionistischen Malerei baute er in der Zeit seine Gemälde aus kleinen Punkten und Strichen in hellen, klaren Farben auf.

Ein wichtige Inspirationsquelle waren auch japanische Holzschnitte, die der Künstler selbst sammelte. In einigen Gemälden hat Van Gogh diese Drucke sogar regelrecht kopiert, bei anderen läßt sich der Einfluss an der besonderen Komposition, den kräftigen Farben und den deutlichen Konturen ablesen.

De roze perzikboom

Arles

Müde von der Hetze des Pariser Großstadtlebens und auf der Suche nach Wärme und Ruhe zog Van Gogh im Februar 1888 in die südfranzösische Stadt Arles. Er ließ sich von der Landschaft, dem Licht des Südens und – wie auch in seiner niederländischen Zeit – vom Leben auf dem Lande inspirieren. Er malte die blühenden Obstbäume und die Kornfelder vor den Toren der Stadt. Noch immer hatte er den Ehrgeiz, Porträtmaler zu werden, und in Arles fand er nach einigem Suchen Menschen, die bereit waren, ihm Modell zu stehen.

Het gele huis

Im “gelben Haus”, das er Mitte Mai 1888 mietete, wollte Van Gogh mit seinem Freund Paul Gauguin und anderen Malern eine Künstler-kolonie gründen. Für die Dekoration des Hauses malte er unter ande-rem die berühmten Stilleben mit Sonnen-blumen. Nach langem Drängen Van Goghs traf Gauguin im Oktober ein. Es kam jedoch schnell zu Konflikten, und Ende Dezember bedrohte Van Gogh bei einem heftigen Streit den Freund mit einem Messer und schnitt sich danach in einem Wutanfall ein Stück seines rechten Ohrs ab. Der Künstler erlitt einen Zusammenbruch und wurde in das Hospital von Arles aufgenommen, um sich zu erholen. Es stellte sich heraus, dass er an einer Form von Epilepsie litt.

Vincent van Gogh (1853-1890), Raam in het atelier / Window in the studio, 1889, Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Stichting/Foundation)

Saint–Rémy

Nach wiederholten epileptischen Anfällen beschloss Van Gogh im April 1889, sich in einer Anstalt in Saint–Rémy, einem Städtchen unweit von Arles, behandeln zu lassen. Der ihn betreuende Arzt erlaubte ihm weiterzuarbeiten. Van Gogh zeichnete und malte die Welt in seiner direkten Umgebung, die Flure, die Zimmer und die Insassen, den Garten und die Aussicht aus dem Fenster. Wenn sein Gesundheits-zustand es zuließ, durfte er auch außerhalb der Anstalt arbeiten. Er schuf Landschaften mit Zypressen und Olivenbäumen, die sich dank der lebendigen Pinselführung zu bewegen scheinen. Die Farbpalette ist im allgemeinen sanfter und nicht so grell wie auf den Bildern aus Arles.

Irissen

An den Tagen, an denen er nicht im Freien arbeiten konnte, konzen-trierte sich Van Gogh auf andere Themen. Er befasste sich mit Reproduktionen von Werken berühmter Meister wie Rembrandt, Delacroix und Millet. Diese Drucke kopierte er mit der ihm eigenen Handschrift und in seinen Farben. Zwischen den Anfällen erlebte er besonders schöpferische Perioden, in denen Meisterwerke wie Kornfeld mit Schnitter und Iris entstanden.

Portret van dr. Gachet

Auvers-sur-Oise

Van Gogh wollte nicht länger in der Anstalt bleiben und verlangte immer stärker nach dem Norden. Im Mai 1890 zog er nach Auvers–sur–Oise, ein Künstlerdorf in der Nähe von Paris. Dort nahm er Kontakt mit Dr. Gachet auf, einem Arzt, der selbst auch malte und Kunst sammelte. Sie freundeten sich an. Dr. Gachet half Van Gogh wenn nötig mit ärztlichem Rat und brachte ihm die Technik des Radierens bei. Van Gogh schuf von seinem exzentrischen Freund und dessen Tochter mehrere Porträts.

Korenveld met kraaien

Van Gogh war voller Begeisterung über die neue Umgebung: “[…] wirklich, es ist wunderschön, dies ist das echte Landleben, charakteristisch und malerisch”, schrieb er in einem Brief an Theo. Inspiriert von den Weingärten, den strohgedeckten alten Häusern und den Kornfeldern fertigte er in kurzer Zeit eine große Zahl von Gemälden und Zeichnungen an, deren Höhepunkte mehrere breit-formatige Landschaften wie das Kornfeld mit Krähen sind.

graf Vincent en Theo

Obwohl er produktiv war und seine Arbeit immer mehr Anerkennung fand, fühlte sich Van Gogh in den letzten Wochen seines Lebens in Auvers häufig sehr niedergeschlagen. Theo, der mit seinem Gehalt die eigene Familie, den Bruder und die Mutter unterhielt, erwog bei seiner Firma zu kündigen und sich selbständig zu machen. Vincent sorgte sich um die Zukunft und schrieb Theo, er fürchte, ihm und seiner Familie zur Last zu fallen.

Am 27. Juli 1890 schoss sich Van Gogh in die Brust und starb zwei Tage danach im Beisein seines Bruders. Theo starb nur ein halbes Jahr später. Die Brüder sind nebeneinander auf dem Friedhof von Auvers–sur–Oise begraben.

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